 
FESTMAHL für "MEINEN NÄCHSTEN"
Nach dem Vorbild von Sant'Egidio
in Rom fand erstmals in der Geschichte Wiens in einer Kirche
ein Festmahl der Nächstenliebe statt.
Im Rahmen der Wiener Stadtmission
und des Internationalen Kongresses für eine Neue Evangelisation
kam eine bunte Gästeschar zu einem Festessen in der Minoritenkirche/Wien
I zusammen
Mehr als 300 Menschen folgten
am Montag Abend, den 26. Mai 2003 um 20 Uhr der Einladung
von Kardinal Schönborn, der Bewegung Mitmensch und der Gemeinschaft
Emmanuel zu einem Festmahl für "meinen Nächsten". Sie nahmen
ohne jegliche mediale Beteiligung an der festlich gedeckten
Tafel in der Wiener Minoritenkirche Platz und ließen sich
von der Gastgewerbefachschule Wien mit einer mehrgängigen
Speisenfolge kulinarisch verwöhnen.
Serviert wurde das Essen
unter anderem von prominenten Tischdienern und Tischdienerinnen:
Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP), Eva Glawischnig
(Vizechefin der Grünen), Bundesgeschäftsführerin Doris Bures
(SPÖ), Bundesgeschäftsführer Franz Floss (Grüne), Fernsehkoch
Franz Zodl, Kongress-Koordinator Otto Neubauer (Gemeinschaft
Emmanuel) und natürlich auch vom Gastgeber, dem Wiener Erzbischof
Christoph Kardinal Schönborn persönlich.
In seiner kurzen Begrüßung
freute sich der Kardinal, dass die Kirche so gut gefüllt war
und er versicherte: "Wir tuns mit Freude und aus ganzem Herzen".
Auch Maria Loley, Gründerin der Bewegung Mitmensch, war sichtlich
gerührt. Sie empfand es als "herrliches Gefühl, von so vielen
lieben Menschen umgeben zu sein." Und, wesentlicher Nachsatz,
sie glaube an eine Fortsetzung.
Die Gästeschar hätte wohl
nicht bunter sein können: Die Menschen kamen aus Österreich
und zahlreichen Nationen, wie etwa Rumänien, Russland, Persien,
Portugal, Frankreich etc., jung und alt, Obdachlose und Einsame.
"Es war eine herzliche Gemeinschaft", zeigte sich Loley begeistert,
die Menschen haben sich sehr wohl gefühlt. Aber das Festmahl
für "meinen Nächsten" war mehr als "nur" ein gewöhnliches
Essen. "Es fand eine innere Begegnung statt, die unter anderem
in diesem Gastmahl ihren Ausdruck fand", so Loley und für
Kardinal Schönborn war es ein "Gastmahl der Liebe". Auch der
Koordinator des Festmahls, Otto Knoll, war erfreut, hatte
er doch mit maximal 200 Gästen gerechnet - gekommen waren
schließlich mehr als 300 und doch wurden alle satt.
Die Wahl für den Ort des
Festmahles fiel nicht zufällig auf die Minoritenkirche. Das
im Regierungsviertel gelegene Gotteshaus war nämlich ursprünglich
die Kirche für die Ärmsten in der Stadt Wien. Noch zu Lebzeiten
des Heiligen Franz von Assisi kamen die ersten Minderbrüder
nach Wien, wo die Armen wurden nach dem Vorbild Franziskus
betreut. So öffneten die Franziskaner Minoriten für diesen
Abend gerne die Türen für dieses besondere Festmahl. Passend
war auch das Gemälde, unter dem das Essen statt fand - eine
Wiedergabe des "Letzten Abendmahls" von Leonardo da Vinci.
"Gottes Liebe ist viel heller
als die Sonne scheint", so sangen iranische Kinder, die in
Österreich eine neue Heimat gefunden haben. Weiters wurde
der Abend durch eine Gruppe der Gemeinschaft Emmanuel, Obdachlose
und einen Chor junger iranischer Christinnen musikalisch umrahmt.
Ermöglicht wurde das Festmahl
durch den Einsatz der vielen freiwilligen Helfern und die
zahlreichen Sponsoren, die vom Blumenschmuck bis zum Eis alles
kostenlos zur Verfügung stellten.
Mit diesem Festmahl wollten
die Organisatoren ein Zeichen für "den Nächsten" im Sinne
des Heiligen Franz von Assisi setzen. Die Idee soll weiterleben
und weitergelebt werden, so wird es am Montag, den 23. Juni
2003 um 20 Uhr in der Minoritenkirche ein Gebet für "meinen
Nächsten" geben.
…………………………………………………………………………………….......
Herzlichen Dank gebührt allen
Sponsoren, ohne deren Unterstützung dieser schöne Abend der
Nächstenliebe nicht realisierbar gewesen wäre (Oder wie zaubert
man sonst 22.000 Euro, die für die Durchführung notwendig
waren, aus dem Hut?):
- Tische und Sitzbänke:
Harmer Getränke Ost A-1210 Wien, Leopoldauer Straße 143
Herr Geschäftsführer Heinzl
- Tischdecken und Schürzen für Tischdiener:
Rosa Toifl & CO GmbH A-1160 Wien, Ludo Hartmann-Platz 3
Frau Geschäftsführerin Toifl
Homepage: members.aon.at/waescherei
- Festkerzen:
Metzger Ernst Kerzen- u Lechkuchenerzeugung GesmbH A-2380
Perchtoldsdorf, Marktplatz 7
Herr Geschäftsführer Metzger Homepage: www.lebkuchen.cc
- Blumenschmuck:
Innung der Floristen/Wirtschaftskammer Wien A-1030 Wien,
Rudolf-Sallinger-Platz 1
Herr Geschäftsführer Daum Homepage: www.gaertner-floristen.co.at
- Trinkgläser:
Hotel Intercontinental A-1030 Wien, Johannesgasse 28 Frau
Direktor Eckhardt
Homepage: www.vienna.interconti.com
- Alkoholfreie Getränke:
Harmer Getränke Ost A-1210 Wien, Leopoldauer Straße 143
Herr Geschäftsführer Heinzl
- Mineralwasser und alkoholfreie Getränke:
Römerquelle, A-1210 Wien, Holzmanngasse 3 Herr Geschäftsführer
Wandl
Homepage: www.roemerquelle.com
- Vor- und Hauptspeise, Durchführung
Service beim Festmahl:
Gastgewerbefachschule Wien und Verband der Köche Österreichs
A-1010 Wien, Judenplatz 3-4
Herr Direktor Hofrat Prof. Zodl Herr Fachvorstand Sedlacek
Homepage: www.gafa.ac.at
Vermittelnde Unterstützung: Pfarrer KR Josef Franzl Wien
III, Krummgasse
Unterstützung durch:
* Fleisch: Fleischhauerei Neudorfer, Wien III, Markthalle
* Geflügel: Ramseidl "Zum Gockelhahn", Wien IV, Naschmarkt
* Gemüse: Bonduelle Foodservice, Zweigniederlassung Österreich,
Salzburg-Stadt
* Schinken und Gebäck: Julius Meinl am Graben, Wien I, Graben
* Brot: Bäckerei Grimm, Wien I, Kurrentgasse
- Dessert: Innung der Konditoren/Wirtschaftskammer
Wien A-1080 Wien, Florianigasse 13
Herr Geschäftsführer Größinger Homepage: www.wienerkonditoren.at
- Kaffee: Innung der Wiener Kaffeesieder/Wirtschaftskammer
Wien, A-1010 Wien, Stubenring 8-10
Herr Obmann KR Platzer Herr Geschäftsführer Kamarad, Homepage:
www.movingcafe.at
Unterstützung durch:
* Kaffee Julius Meinl, Wien XVI., Julius Meinl-Gasse
- Speiseeis: Italienische Eissalons
in Wien
Unterstützung durch:
* Gelateria Hoher Markt, Wien I, Hoher Markt
* Gelateria Zanoni, Wien I, Lugeck
* Eissalon am Schwedenplatz, Wien I, Franz Josefs-Kai
* Eissalon Perizzolo, Wien I, Tuchlauben
* Eissalon Perugini, Wien XX, Wallensteinstraße
* Eissalon Perugini, Wien XXI, Brünnerstraße
Vermittelnde Unterstützung: Patres Minoriten Wien I, Minoritenkirche
Elisabeth Zeller (Redaktion Stadtmission
Wien)

Stadtmission: "Distanz der Menschen
zur Kirche wird geringer"
Round Table" mit den Kardinälen Schönborn,
Lustiger, Danneels und Policarpo im Stephansdom
Wien, 29.5.03
Die positiven Erfahrungen der Stadtmission werden mit Sicherheit
das Klima in der Kirche verändern, betonte Kardinal Christoph
Schönborn am Donnerstag beim "Round Table" im Wiener Stephansdom.
Die Distanz zwischen den Menschen und der Kirche sei geringer
geworden. Die vier Kardinäle Christoph Schönborn, Jean-Marie
Lustiger, Godfried Danneels und Jose da Cruz Policarpo stellten
sich beim "Round table" unter der Moderation von Barbara Stöckel
den Fragen der Teilnehmer des Internationalen Evangelisationskongresses.
Nach Jahren der kirchlichen Krise spüre
er bei den Menschen nun wieder ein wachsendes Vertrauen und
mehr Freude an der Kirche, so der Kardinal, der besonders
das Engagement der zahlreichen freiwilligen Helfer und das
Engagement der Pfarren würdigte: "Ursprünglich habe ich mit
ungefähr 30 Pfarren gerechnet, die mitmachen werden. Letztlich
waren es 110 von 170 Wiener Pfarren. Da ist etwas Großartiges
passiert. Da kann viel Gutes in den nächsten Jahren wachsen".
Besonders dankbar zeigte sich Schönborn
gegenüber den Jugendlichen, die ihn dazu ermutigt hätten,
unter die Leute zu gehen, auch in ungewöhnliche Orte wie ins
Cafe oder ins Beisl: "Ich habe selten Ablehnung erlebt. Die
Leute haben meistens gesagt 'Gut, dass Sie da sind'". Für
die Zukunft wünsche er sich, so der Kardinal, dass die Türen
der Kirchen in Wien noch weiter offen stehen: "Mein Traum
ist, dass die Kirchen in Wien überall wie der Stephansdom
den ganzen Tag über offen sind".
Kardinal Lustiger betonte, dass die Kirche
in Europa wieder neue Vitalität, schöpferische Kraft und Initiative
brauche, "um den Schatz in unseren Händen, das Evangelium,
an die Menschen weiter zu geben". Eine Aufgabe, die besser
gemeinsam gelöst werden könne, wie der Lissaboner Kardinal
Policarpo unterstrich: Die bisherigen Erfahrungen der Stadtmission
seien bereits ein großes Hoffnungszeichen. "Wir müssen gemeinsam
unser Christsein leben und können viel voneinander lernen",
so der Patriarch von Lissabon wörtlich.
Katholischer Pressedienst
Stadtmission: Distanz der Menschen
..... (2)
Europa muss seine Seele wieder entdecken
Zur Frage nach den Herausforderungen und
Aufgaben, die die Ost-Erweiterung der Europäischen Union mit
sich bringe, meinte Kardinal Danneels, dass der Glaube im
ehemaligen Ostblock von einer anderen Qualität sei als jener
im Westen. "Dieser Glaube hat Blut gekostet, im Osten zu glauben
war eine Entscheidung auf Leben und Tod", so Danneels wörtlich.
Diese Haltung sei auch im Westen notwendig, sie mache deutlich,
wie kostbar der Glaube letztlich ist.
Noch seien die inneren Grenzen zwischen
Ost und West nicht gefallen, wie Kardinal Policarpo betonte.
Diese kulturellen Grenzen sollten die Menschen aber nicht
trennen, sondern im Dialog zu neuen Erkenntnissen führen.
Die Vereinigung Europas bedeute daher vor allem auch eine
ökumenische Herausforderung, so der Kardinal: "Wir brauchen
einen offeneren Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften
und Kulturen".
Kardinal Schönborn wies darauf hin, dass
Europa keine neue Seele brauche, sondern diese "nur" wieder
entdecken müsse. Europa sei auf drei Hügeln erbaut worden:
dem Pantheon in Athen, dem Kapitol in Rom und Golgotha in
Jerusalem. Auf diesen drei Wurzeln, der Liebe zum klaren Denken,
dem Gespür für das Recht und die Menschenwürde sowie dem Geheimnis
der Erlösung und der Gnade basiere Europa. Schönborn: "Wir
brauchen ein Europa, das das Denken nicht verlernt, das nicht
in Rechtlosigkeit verfällt und in der Hoffnung auf die Erlösung
lebt". Wenn es innerhalb der Kirche noch Grenzen zwischen
den europäischen Völkern und Kulturen gebe, sei es höchste
Zeit, diese "aus unseren Herzen zu entfernen".
Evangelium ist Zeit weit voraus
Es sei Aufgabe der Kirche, in zwei Sprachen
zu sprechen, betonte Kardinal Danneels: Zum einen in der Sprache
des Evangeliums und der Tradition, zum anderen in der Sprache
der gegenwärtigen Kultur. Obwohl es für die Kirche oft schwierig
sei, diese zweite Sprache zu sprechen "und wir dabei immer
ein bißchen zu spät sind", sei eines klar: "Der Kern des Evangeliums
ist einfach und in jede Sprache übersetzbar". Kardinal Schönborn
ergänzte: "Die Kernbotschaft des Evangeliums ist einfach:
'Liebe Gott aus ganzem Herzen und Deinen Nächsten wie dich
selbst'". Alle Menschen hätten danach Sehnsucht und würden
diese gemeinsame Sprache verstehen. Schönborn erinnerte an
Mutter Teresa: "Ihre Sprache haben alle verstanden, weil sie
das Evangelium gelebt hat". Weiters verwies der Kardinal auch
auf den Heiligen Franz von Assisi. Der Heilige sei in seiner
Radikalität seiner Zeit weit voraus gewesen. Erst in seiner
ganz vom Evangelium geprägten "Hoffnungsspur" sei eine neue
Kultur möglich geworden. "Das Evangelium ist sehr jung in
unserer alten Zivilisation", zeigte sich auch Kardinal Lustiger
überzeugt.
Man muss auch die Laien hören
Auf die Frage nach dem politischen Engagement
der Kirche antwortete Kardinal Schönborn, dass es vor allem
ein in Österreich gut gepflegtes Missverständnis sei, dass
Kirche immer mit den Bischöfen gleich gesetzt werde: "Die
Kirche meldet sich nicht nur dann zu Wort, wenn ein Bischof
redet". Die Bischöfe würden generelle Grundlinien vorgeben,
für die konkrete Umsetzung politischer und gesellschaftlicher
Vorhaben seien aber vor allem auch engagierte Laien gefragt,
die mit den Sachfragen auch viel besser vertraut seien.
Angesprochen auf die Rolle der Frau in
der Kirche meinte Kardinal Danneels, dass man sich diesem
Fragenkomplex nicht unter der Vorbedingung einer Machtbeziehung,
sondern nur unter jener einer Liebesbeziehung stellen könne.
"Wir sind nicht als Frau oder Mann Bild Gottes, sondern nur
gemeinsam", so der Kardinal, der auch auf die große Bedeutung
hinwies, die Jesus Frauen gegeben habe. Einerseits etwa in
Person seiner Mutter Maria, andererseits in der Person von
Maria Magdalena, der sich der auferstandene Christus als erster
zeigte.
Für Kardinal Policarpo verwirklichen die
Frauen in der Kirche vor allem den "herzlichen" Charakter,
den es neben Lehre und Intelligenz auch geben müsse. Und zur
Frage der Frauenpriestertums fügte er hinzu: "Dieses Problem
können wir nicht lösen. Das kann nur der Heilige Geist."
Katholischer Pressedienst
Schönborn: Hasserfüllte Welt braucht
Barmherzigkeit Gottes
Gottesdienst mit vier Kardinälen im Wiener
Stephansdom zum Fest Christi Himmelfahrt war Höhepunkt des
Internationalen Evangelisationskongresses und der Stadtmission
Wien, 29.5.03
"Wo der Hass, der Durst nach Rache und der Krieg herrschen,
die Schmerz und den Tod Unschuldiger auslösen, da braucht
die Welt die Barmherzigkeit Gottes, um zum Frieden zu kommen":
Das betonte Kardinal Christoph Schönborn am Donnerstag im
Wiener Stephansdom beim Christi-Himmelfahrts-Festgottesdienst.
Mit den Kardinälen Schönborn, Jean-Marie Lustiger (Paris),
Godfried Danneels (Brüssel) und Jose da Cruz Policarpo (Lissabon)
konzelebrierten Bischöfe und rund 100 Priester aus Europa,
den USA, Brasilien und Afrika; der Stephansdom war bei diesem
Höhepunkt des Internationalen Evangelisationskongresses und
der Wiener Stadtmission bis auf den letzten Platz gefüllt.
Schönborn betonte, im Stephansdom sei
"in gewisser Weise die ganze Kirche als Hoffnung der Welt"
versammelt. Die Christen glaubten, dass es eine letzte Vollendung
gibt, in der Gott seine Barmherzigkeit zeigen werde. Die Gegenwart
Christi zeige sich aber auch hier und heute, "in Zeichen",
so wie auch die Stadtmission eines sei.
Der Wiener Erzbischof erinnerte daran,
dass Papst Johannes Paul II. vor einem Jahr in Lagiewniki
(Polen) das "Heiligtum der Barmherzigkeit" gesegnet hatte.
Damals habe der Papst betont, dass die Barmherzigkeit Gottes
"jener Funken ist, der die Welt vorbereitet auf das letzte
Kommen des Herrn". Schönborn hob hervor, dass es "keine Schuld
gibt, die größer ist als diese Barmherzigkeit". Im Sinne des
Papst-Aufrufs finden am Freitagabend im Stephansdom und in
anderen Wiener Kirchen - etwa in der Karlskirche - "Abende
der Barmherzigkeit" statt, bei denen Menschen Hilfen zur Bewältigung
von Schuld und Versagen angeboten und neue Möglichkeiten im
Glauben eröffnet werden.
Katholischer Pressedienst
"Kirche muss Jugendlichen Freiheit
geben"
Grazer Weihbischof Lackner beim Evangelisationskongress
in Wien: Wer für Jugendliche zuständig ist, muss die wartende
Haltung des barmherzigen Vaters gegenüber dem verlorenen Sohn
einnehmen
Wien, 29.5.03
Die Kirche müsse den jungen Menschen jene Freiheit geben,
die der barmherzige Vater seinem verlorenen Sohn gab. Das
betonte der Grazer Weihbischof Franz Lackner am Mittwoch im
Rahmen des Evangelisationskongresses in Wien. Anstatt die
Jugendlichen "krampfhaft" festhalten zu wollen, gelte es,
sich um sie zu sorgen, um sie zu werben und sie mit Liebe
zu begleiten. Wenn sie den Schritt in die Freiheit in der
Form setzten, von der Kirche weg zu gehen, müsse man sie ziehen
lassen, meinte Lackner: "Trotz meiner religiösen Erziehung
hatte Gott bei mir mit 15 oder 16 Jahren auch keinen Platz.
Nicht, weil ich etwas gegen ihn hatte, sondern er war mir
kein Anliegen". Als junger Mensch habe er sein eigenes Leben
mit seinen vielen Möglichkeiten entdeckt. Die wartende Haltung
des Vaters, der die Arme ausbreitet, sei keine "pure Passivität",
sondern eine aktive Haltung, betonte der Weihbischof. Wer
für Jugendliche zuständig ist, den müsse diese wartende Haltung
täglich prägen.
Die Kirche sei "eine altehrwürdige weise
gewordene Dame", die auch durch ihre Fehler "wahrscheinlich
viel gelernt" habe, so Lackner. Es bestehe die Gefahr, diese
Weisheit den Jugendlichen "überstülpen" zu wollen. Die Kirche
müsse aber die "Demut haben, "mit jedem Jugendlichen bei Null
anzufangen, als ob wir unsere Weisheit nicht hätten". Junge
Menschen seien offen und spontan, wollten jetzt etwas machen.
Katholischer Pressedienst
Der Priester mit der Lederjacke
Guy Gilbert, Jugendseelsorger aus Paris,
kam zur Stadtmission nach Wien
Wien, 29.5.03
"Titel und äußerer Anschein sind mir völlig egal", sagt Guy
Gilbert, Rocker-Priester aus Paris. Und man glaubt es ihm,
wenn er so dasteht vor der Karlskirche, bei seinem Besuch
anlässlich der Stadtmission in Wien: Lange, graue Haare, unrasiertes,
kantiges Gesicht, schwarze Lederbekleidung und Cowboystiefel
sind nicht gerade jene äußeren Merkmale, hinter denen man
einen 67-jährigen Priester der katholischen Kirche vermuten
würde. Bei dem Gespräch mit Teilnehmern der Stadtmission und
Journalisten erzählt Gilbert von seinem Mitwirken bei der
Hochzeit des belgischen Prinzen Laurent. Gemeinsam mit Brüssels
Erzbischof, Kardinal Godfried Danneels, zelebrierte er im
April die kirchliche Hochzeitsfeier für den jüngsten Sohn
des belgischen Königs Albert II. und sprach dabei in einem
eigens für das Brautpaar verfassten Gebet Klartext: "Und hättet
ihr alle Titel der Welt, und hättet ihr alles Geld der Welt,
aber nicht die Liebe in eurem Herzen, dann wärt ihr nichts",
sagte er in Anlehnung an den Völkerapostel Paulus vor den
honorigen Vertretern von Erb- und Geldadel. Kein Wunder, dass
das Echo in der belgischen Presse enorm war.
"Wisst Ihr, ich bin's ja nicht gewöhnt,
vor Reichen zu sprechen", berichtet der Seelsorger von Pariser
Straßenkindern seinen gebannten Zuhörern in Wien. Aus der
Hochzeit des belgischen Königssohnes zieht Gilbert, wie er
sagt, folgende Lehre: "Wenn du die Sprache der Armen sprichst,
hören dich neben den Reichen auch die Armen. Die Sprache der
Reichen dagegen verstehen die Armen nicht". Und Jesus habe
seine Frohbotschaft zuallererst an die Armen gerichtet.
Gilberts Arme, das sind gestrauchelte,
ausgestoßene Jugendliche. Er erzählt von "Underdogs", die
auf der Straße leben oder im Gefängnis, weil sie schon als
13-jährige gestohlen, vergewaltigt oder sogar gemordet haben.
Den Anstoß, sich dieser Art von Seelsorge zu widmen, bekam
Gilbert vor vielen Jahren durch die Begegnung mit einem Burschen,
der aus einem Hundenapf aß - nach den Hunden. In Südfrankreich
betreibt der Priester einen Bauernhof, auf dem sich seine
Schützlinge darauf vorbereiten, wieder integrierte Mitglieder
der Gesellschaft zu sein. Die Jugendlichen, die vielfach selbst
Opfer von Kriminellen waren, lernen über die Betreuung der
Tiere auf dem Hof, wieder Vertrauen zu gewinnen, Kontakt zuzulassen.
Der Rocker- Priester sieht seine Aufgabe darin, zu zeigen,
dass menschliche Liebe jene von Tieren übersteigt. Und er
will den Gestrandeten des Pariser Untergrunds beweisen: Die
Liebe Gottes gibt es auch für sie. Gilbert selbst hatte als
drittes von 15 Kindern von seinen Eltern viel Liebe erfahren;
etwas von diesem Rückhalt will er jetzt weitergeben.
In seiner Kirche, seitens seiner Vorgesetzten,
wird Gilberts Arbeit - wie er berichtet - akzeptiert und geschätzt.
Seine Priesterkollegen hätten sein Outfit anfangs kopfschüttelnd
betrachtet. Jetzt wären sie wohl befremdet, würde er plötzlich
mit einem Priesterkragen auftauchen, meint er lachend. In
der Menge der Wiener Zuhörer erkennt Gilbert plötzlich einen
Amtsbruder aus Frankreich, der dem gängigen "Dresscode" für
Geistliche entspricht. "Seht her", wendet er sich mit seinem
Kollegen an der Seite an das Publikum: "Jeder hat ein anderes
Outfit, aber beide gehören zur selben Kirche".
Sollen alle katholisch werden?
Mission, was heißt das für Gilbert, will
eine junge Journalistin wissen. Sollen alle katholisch werden?
"Quatsch", antwortet Gilbert mit einem selbst gedrehten "Tschik"
im Mund und einem schalkhaften Blinzeln in den Augen: Zu sagen,
dass alle katholisch werden müssen, würde Krieg bedeuten.
Denn dann würden auch die Muslime und andere wollen, dass
alle sich ihnen anschließen. Gilbert will, dass die Religionsgemeinschaften
einander respektieren. Alle Religionen sollten Gott ins Zentrum
stellen, der für Liebe, Solidarität und Gemeinschaft steht.
In seiner Heimat habe er viel mit Protestanten, Muslimen,
Buddhisten, aber auch Atheisten zu tun. Auch unter ihnen würden
viele das leben, was Gott meint, "die Kirche hat kein Monopol
auf Liebe". Klare Worte findet Gilbert zur Ökumene: Er findet
es merkwürdig, dass Katholiken und Protestanten auf der Basis
derselben Bibel denselben Glauben haben, aber nicht gemeinsam
am Tisch des Herrn sitzen sollen. Größere Aufmerksamkeit will
er dieser Debatte aber nicht widmen, "darüber könnten wir
die ganze Nacht diskutieren". Viel wichtiger sei es, im Sinne
Gottes zu handeln und damit zu überzeugen. Es werde viel zu
viel geredet, viel zu wenig getan, meint Gilbert.
Klar, antwortet er auf eine Frage, gibt
es in der Kirche einiges, was ihm gegen den Strich geht: "Vieles
an der Kirche passt mir nicht, aber sie besteht eben aus Menschen,
die Fehler machen. Heilig ist sie durch ihren Gründer". Wenn
um die 20 Priester, die sich in Frankreich etwas zu Schulden
hätten kommen lassen, viel Medienwirbel herrscht, die 20.000
anderen aber unbeachtet bleiben, ärgert ihn das. Sein Rezept
dagegen: Sich nur nicht zu viel gegen Vorwürfe verteidigen
oder selbst angreifen. Das wäre nur Zeitverschwendung, meint
Gilbert: "Lebe das Evangelium, so gut du kannst. Das ist nie
Zeitverschwendung".
Katholischer Pressedienst
NEWS vom 27.
Mai 2003
NEWS vom 26.
Mai 2003
NEWS vom 25.
Mai 2003
NEWS vom 24.
Mai 2003
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