
Die Stadtmission rollt
Dompfarrer Faber auf "rolling mission"
- Matthäus-Evangelium für Autofahrer auf dem Gürtel - Stadtmission
in Wien mit ungewöhnlichen Aktionen
Wien, 26.5.03
Mit mehr als 1.000 Veranstaltungen im ganzen Wiener Stadtgebiet
geht die Kirche im Rahmen der Stadtmission auf die Menschen
zu, um mit ihnen über Gott und das Leben, über die Frage nach
woher, wohin und wozu des Daseins ins Gespräch zu kommen.
Die große Bühne auf dem Stephansplatz
und der Jugendpoint am Schwedenplatz/Morzinplatz werden täglich
von hunderten Menschen bevölkert, in ganz Wien finden sich
Zelt-Cafes und Info-Stände vor Kirchen, in Parks, Einkaufszentren
und vor U-Bahn-Stationen. Einige Pfarren greifen bei der Stadtmission
auch zu ungewöhnlichen Mitteln, um mit den Menschen über Gott
ins Gespräch zu kommen. Die Dompfarre St. Stephan zum Beispiel
sucht nicht nur mit einem Zelt-Cafe auf dem Stephansplatz,
sonder auch auf Rollen das Gespräch mit den Menschen. Dompfarrer
Toni Faber selbst schnallt sich die "Inline-Skates" an und
ist mit Jugendlichen der Dompfarre in der Wiener Innenstadt
auf "rolling mission" unterwegs.
Zu außergewöhnlichen Mitteln greift auch
die direkt neben dem Mariahilfer Gürtel gelegene Pfarre Fünfhaus
(Maria vom Siege). Im Rahmen der "Aktion Rote Ampel" postieren
sich Kinder und Jugendliche an den beiden Ampeln vor der Kirche.
Während der Rotphasen für die Autofahrer verteilen die "Missionare"
kleine Bücher mit dem Matthäus-Evangelium und laden zu den
Veranstaltungen der Pfarre im Rahmen der Stadtmission ein.
Katholischer Pressedienst
Spiritualität und Einsatz für die Armen
gehören zusammen
Andrea Riccardi, Gründer der Gemeinschaft
Sant'Egidio, betont beim Internationalen Evangelisationskongress
in Wien den inneren Zusammenhang von Glaube und Nächstenliebe
Wien, 26.5.03
Den tiefen Zusammenhang zwischen "echter Spiritualität" und
der "Liebe zu den Armen" unterstrich Prof. Andrea Riccardi,
Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio, am Montag beim Internationalen
Evangelisationskongress in Wien. Ohne das Hören auf Gott werde
die Liebe zu Gott kalt oder verkomme zur Ideologie, so Riccardi.
Letztlich gehe es um die persönliche Begegnung
des einzelnen Christen zu seinen Mitmenschen, betonte Riccardi,
der sich vehement gegen "die Abwertung des Almosens" wandte:
"Auf der Straße stehen bleiben und einem Bettler ins Gesicht
schauen, das ist eine Begegnung mit den Armen, von der das
Evangelium spricht. Das Alte und das Neue Testament sind ein
Hymnus auf das Almosen". Das bedeute auf der anderen Seite
aber nicht, die gesellschaftliche Verantwortung für gerechtere
soziale Strukturen außer Acht zu lassen.
Neben der Armut in der unmittelbaren
Lebenswelt habe es das globale Informationszeitalter mit sich
gebracht, "dass uns auch die Armen in den fernen Ländern nahe
gekommen sind", so Riccardi: "Wir dürfen den Armen in unserer
Nähe nicht ausweichen und die Klagen aus der Ferne nicht überhören".
Auch wenn man nicht alle Probleme lösen könne, dürfe man grundsätzlich
sein Herz nicht verschließen. Alle Menschen seien hier in
die Pflicht genommen.
Riccardi erinnerte an die vielfältigen
Formen von Armut, an die Situation der Obdachlosen, Behinderten,
Kranken, der alten Menschen. Zum Wesen des Christentums gehöre
es, allen Armen als Freunde zu begegnen. Dieser Dienst sei
auch immer ein gegenseitiges Geben und Nehmen: "Auch wir werden
von den Armen unterstützt. Sie erinnern uns an die eigene
Schwachheit und Gebrechlichkeit und machen uns auf das Wesentliche
im Leben aufmerksam. Und sie werden am letzten Tag für uns
eintreten".
35 Jahre Sant'Egidio
Andrea Riccardi gründete noch als Schüler
im Jahr 1968 mit einer Gruppe von jungen Leuten die Gemeinschaft
Sant'Egidio, die sich für die Armen der Stadt Rom einsetzte.
Jeden Abend versammelten sich die jungen Leute in einem verlassenen
Karmelitinnenkloster, um gemeinsam das Evangelium zu lesen.
In den Vorstädten, den römischen "Borgate", kümmerten sie
sich um verlassene Kinder und organisierten Armenausspeisungen.
Die Hilfe für Drogensüchtige, Stadtstreicher und Obdachlose
kam bald dazu. Medial viel beachteter "Höhepunkt" der Aktivitäten
ist das traditionelle Weihnachtsessen für Obdachlose in der
Basilika Santa Maria im Stadtteil Trastevere.
Nach eigenen Angaben hat Sant'Egidio weltweit
etwa 40.000 Mitglieder in mehr als 60 Ländern. Neben karitativen
Projekten setzt sich die Gemeinschaft auch intensiv für den
Frieden in der Welt, Ökumene und den Dialog mit anderen Religionen
ein. So gestaltet Sant'Egidio die alljährlichen interreligiösen
Assisi-Folgetreffen. Als Friedensstifterin ist die Gemeinschaft
u.a. in der ostafrikanischen Republik Mocambique, im Kosovo,
in Algerien aufgetreten.
Katholischer Pressedienst
Maria Loley: Keine Evangelisation ohne
Mitmenschlichkeit Wien
26.05.03
Die Begründerin der Bewegung "Mitmensch", Maria Loley, richtete
am Montag an die Teilnehmer des Internationalen Evangelisationskongresses
in Wien den Appell, die "Not des anderen" zu erkennen und
bei ihm oder ihr innezuhalten. In der Gesellschaft wachse
die Klage über die persönliche Einsamkeit, stellte die Flüchtlingshelferin
fest, die eines der ersten Briefbombenopfer war. Durch diese
Situation wachse notgedrungen die Zahl der Selbstmorde. Allein
aus ihrer Wohnstraße kenne sie persönlich ein halbes Dutzend
solcher Todesfälle, berichtete Loley. Eine Ehefrau habe einmal
nach dem Suizid ihres Mannes mit dem Satz reagiert: "Wie konnte
er mir das antun? Ihm hat nichts gefehlt". "Wenn es nicht
hinhaut, bringe ich mich um", sei sogar schon unter Schülern
zum geflügelten Wort geworden.
Die schwerste Sünde bestehe
darin, den Nächsten nicht wahrzunehmen. Dieses gleichgültige
Verhalten bezeichnete Loley als "Unterlassung mit Todesfolge".
Das Gewissen müsse durch stetige Lektüre des Evangeliums "neu
geschärft" werden. Die Fähigkeit zur Begegnung habe jeder
Mensch in sich. Maria Loley forderte dazu auf, den leidenden
Mitmenschen auch einmal zu umarmen, mitzuweinen und das Leid
zu teilen.
Katholischer Pressedienst
Erfurt: Kirche bietet Paaren Segen zum Valentinstag
Dompfarrer Hauke bei Wiener Stadtmission:
Ökumenischer Segnungsgottesdienst "für alle, die partnerschaftlich
unterwegs sind", macht keinen Unterschied zwischen Gläubigen
und Nichtglaubenden
Wien, 26.5.03
Mit kreativen liturgischen Formen und innovativen Ritualen
findet die Kirche auch in weitgehend "entchristlichten" Regionen
Anklang: "Für alle, die partnerschaftlich unterwegs sind"
- egal ob sie verheiratet, ledig oder wiederverheiratet sind
- initiierte etwa die Dompfarre von Erfurt vor drei Jahren
einen ökumenischen Segnungsgottesdienst, der jeweils am 14.
Februar, dem Valentinstag, gefeiert wird. Dompfarrer Reinhard
Hauke informierte am Sonntagabend im Rahmen der Wiener Stadtmission
über dieses niedrigschwellige Angebot, das dem allgemein menschlichen
Bedürfnis nach Zuspruch und Segen entgegenkommt.
In der Diözese Erfurt sind die Katholiken
in einer Diasporasituation leben: Lediglich 8,5 Prozent der
2,4 Millionen Thüringer sind Mitglieder der katholischen Kirche.
Wenige reichen aber aus, um vielen Segen zukommen zu lassen,
verwies Hauke auf das Buch Genesis aus dem Alten Testament.
In der einstigen DDR gab es in Ermangelung von Blumen, Pralinen
und Parfüm auch keine Tradition, den Valentinstag zu feiern,
sagte der Dompfarrer. Nach der "Wende" habe sich der Brauch
auch im Osten Deutschlands verbreitet. Hauke war verärgert
darüber, dass ein Heiliger - der Bischof von Terni, Valentin,
wurde um 268 als Märtyrer hingerichtet - den Namen für ein
profanes Fest bietet, ohne dass die Kirche "etwas daraus macht".
Er entwickelte in Absprache mit seinem Bischof Joachim Wanke
und mit Vertretern der evangelischen Kirche in Erfurt die
Idee für einen Segnungsgottesdienst, der auch Leute ansprechen
sollte, die mit Sakramenten "nichts am Hut" haben.
Der Ablauf: Paare werden durch eine Bildbetrachtung
und ein Bibelwort angeregt, in meditativer Atmosphäre über
ihre Liebe zueinander nachzudenken. Drei Ehepaare unterschiedlichen
Alters erzählen aus verschiedenen Phasen ihrer Ehe und ermutigen
so zu lebenslanger Partnerschaft in Liebe und Treue. Sie lesen
selbst erarbeitete Fürbitten vor. Anspruchsvolle Musik und
gemeinsamer Gesang von Liedern, die Gott nur implizit nennen,
sind feste Bestandteile der Feier. Am Ende des Gottesdienstes
besteht die Möglichkeit, sich als Paar persönlich segnen zu
lassen. Viele - auch kirchlich "fern Stehende - nehmen dieses
Angebot an, berichtete Hauke.
Auch in anderen Bereichen setzt die Erfurter
Dompfarre auf niedrigschwellige Alternativen zu den Sakramenten.
Hauke erzählte vom allmonatlichen Totengedenken im Dom, von
einem Wortgottesdienst am Heiligen Abend für jene, die mit
der Christmette nicht zurecht kommen, sowie von der "Feier
der Lebenswende" als Alternative zur Jugendweihe, die vier
Jahrzehnte lang in der DDR üblich war. Immer gehe es um die
"Deutung des Lebens".
Katholischer Pressedienst
NEWS vom 25.
Mai 2003
NEWS vom 24.
Mai 2003
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